Ganz gleich was Herr Schewardnadse sonst so verbrochen haben mag, die relativ friedliche Abwicklung des sowjetischen Imperiums stellt eine der größten historischen Leistungen in der jüngeren Geschichte dar, vielleicht sogar eine der größten historischen Leistungen überhaupt. Nur wenige Staatsmänner und -frauen haben im Scheitern ihrer Politik diese Größe entwickelt. Die Briten hinterließen Indien im Bürgerkrieg, gegen den sogar die Kriege im postsowjetischen Raum ein Klacks sind – die zudem ein unfähiger Politiker wie Jelzin zu verantworten hat – die Franzosen haben in Algerien und Indochina ihr Weltreich auch nicht gerade friedvoll aufgelöst. Wenn ich daran denke, wie vollgestopft mit ABC-Waffen nicht nur Deutschland bis 1989 war und wie in jeder NATO-Übung – das Prinzip der glaubhaften Abschreckung machte das erforderlich – die Kriegsszenarien bis zum atomaren Erstschlag der NATO durchexerziert wurden, so ist die Korruptheit Schewardnadses dagegen eine lässliche Sünde, weil er maßgeblich daran beteiligt war, uns von einem Gutteil dieses Wahnsinns zu befreien. Natürlich ist es richtig, auch einmal die dunkle Seite dieses Mannes aufzuzeigen – er ist nunmal kein barmherziger Samariter – aber darüber sollten doch nicht die Maßstäbe durcheinander geraten. Auch Schurken können manchmal Helden sein, das macht die Sache ja gerade so interessant. (Auch wenn es ja ein chinesischer Fluch sein soll, jemandem zu Wünschen, in interessanten Zeiten zu leben: wir tun es.)
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